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Ohne Stolz, mit Doppelmoral und wenig Intellekt?

Man muss sich wundern, zumindest muss ich das gerade. Was passiert da aktuell in den Führungsetagen unserer Medienunternehmen? Egal ob öffentlich-rechtlich oder auch in den Verlagen? Wie kann man sich dort so vehement einem Verstehen und einer realen Einschätzung des IST-Zustandes des Internets und seiner Möglichkeiten verweigern? Ist es am Ende Dummheit? Fast bin ich geneigt das zu glauben.

Was reitet Euch?

Erst kam die Idee der „Verlegerpauschale“, zu der Mario Sixtus alles gesagt hat („Ja, habt ihr denn überhaupt keinen Stolz?“). Jetzt weist Richard Gutjahr in einem sehr lesenswerten Artikel („Eure Doppelmoral kotzt mich an…“) auf die Doppelmoral, in diesem Fall des Spiegels, hin. Von den unglaublichen Äußerungen von Frau Piel im FR Interview, die scheinbar jegliches annäherndes Begreifen ausschließen (Interview Frau Piehl in der Frankfurter Rundschau), ganz zu schweigen. Hierzu hat Stefan Niggemeier auf seinem Blog einen bemerkenswerten Artikel geschrieben. Kann oder möchte unsere „klassische Medien-Elite“ nicht verstehen? Noch einmal ganz einfach: Der Einzelne ist heute durch das Internet in der Lage, zu publizieren und  hunderttausende oder auch millionen von Menschen zu erreichen. Ein Privileg, das vor einigen Jahren nur Verlage, Nachrichtenagenturen und Fernsehsender hatten. Heute kann das potentiell jeder, der einen Zugang zum Internet hat. Massen. Massenmedium – in beide Richtungen. Massen können publizieren und Einzelne können für Massen publizieren. So einfach ist das. Und das schon seit Jahren. Und mittlerweile müsste doch diese Entwicklung, gerne auch Paradigmenwechsel genannt, eben auch bei dem oben genannten Personenkreis angekommen sein.

Menschen teilen ihr Wissen (Facebook, Twitter, Quora, etc.), arbeiten kollaborativ zusammen (z.B. in Open Source Projekten). Sie können dafür auf Werkzeuge zurückgreifen, die quasi kostenlos sind (Social Media Plattformen, Tools wie WordPress, GIMP, SVN, MediaWiki und und und). Clay Shirky z.B. hat es in seinem Buch „Here comes Everybody“ gut und verständlich beschrieben und auch in diversen Interviews gesagt ( zu finden auf youtube).

Ein Wort zur angeblichen „Gratismentalität“ im Netz. Sie existiert nicht. Menschen stellen z.B. Software, Inhalte usw. kostenlos ins Netz und sie profitieren davon. Sie entwickeln Konzepte um ihre Ideen die funktionieren, durchaus auch bezahlte (Facebook, Google, iTunes, Amazon etc.). Manche machen es auch nur aus Spaß, ihr Lohn ist vielleicht Dank, Aufmerksamkeit und Reputation.

Hier seid Ihr gefragt. Entwickelt Konzepte! Seid innovativ. Müsst Ihr zwingend die gleichen Fehler machen wie z.B. die Musikindustrie? Hier war es Apple mit dem iPod und iTunes die ein funktionierendes Konzept entwickelt haben, das der Muikindustrie auch gut zu Gesicht gestanden hätte. Weitere Beispiele lassen sich leicht finden (Amazon, youtube…). Und jetzt kommt Ihr. Es gibt Konzepte – findet sie. Sonst tut es ein anderer. Festhalten am Altbewährten hift sicher nicht. Aber die Erfahrung in Eurem Bereich, die habt ihr… – nehmt die Scheren aus Euren Köpfen!

Was bedeutet es, wenn ein Fleischer auf dem Land mehr Leser auf seinem Blog hat, als vielleicht die lokale Presse an Lesern (z.B. die Fleischerei Freese in Visbek)? Könnte man sich bei diesem oder ähnlichen Beispielen nicht was abschauen? Oder gar lernen? Jammern, wehklagen und mit Gewalt versuchen die alten Strukturen zu schützen und zu erhalten wird Euch auf Dauer nicht helfen.

Überlegt es Euch! Die Mittel dazu sind frei – auch für Euch!

3 Kommentare

  1. ja mancher Personenkreis schafft den Sprung einfach nicht
    und statt sich endlich aktiv und konstruktiv damit auseinander zu setzen
    wird nur weiter blockiert und um sich gebissen

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  2. Markus Sommer und Richard Gutjahr haben es in ihren Beiträgen auf den Punkt gebracht.

    Die (deutschen) Printmedien verschlafen die neue Zeit. Heißt es bei Merlin, dem Zauberer noch „Der alte und der neue Weg“, so heißt es heute „Die neue Zeit“. Die Bedeutung wird aber wohl kaum in ihrer gesamten Bandbreite verstanden.

    Die gängigen Printmedien verschlafen, verpassen oder ignorieren oder – schlimmer noch – negieren die Onlinewelt.

    Es handelt sich hierbei nicht um eine Parallelwelt, die von einigen Spinnern oder Verrückten genutzt wird, sondern um ein weiteres Medium, um die Realität abzubilden.

    Die bereits in Gang gesetzte Informationsrevolution verändert Macht, Moral, Transparenz, das Grundrecht auf Informationsrecht (und leider auch auf informationelle Selbstbestimmung).

    Es fungiert als Richter der Richter, als „allwissendes“ Kontrollorgan – als Super-Controller – oder Super-Revisionsinstanz.

    Es revolutioniert seine eigene Handhabung in durch und mit sich selbst: der sich ständig potenzierende Aspekt der Information erfüllt und schafft neben und unabhängig vom Internet eine zweite Ebene, dritte oder fünfte Macht, ein Staat im Staat, eine Macht über der Macht und deshalb wird sie so gefürchtet: Jetzt erst, mit der Veröffentlichungen von WikiLeaks erkennen auch beachtliche Teile aller Ebenen der Bevölkerung, in den Machtzentralen und den Geheimdiensten, den revolutionären, nicht revidierbaren Part und die immense Bedeutung, hier in ihrer gesamten gesellschaftlichen und politischen Bedeutung über der Bedeutung der Erfindung des Flugzeugs, des Telefons oder anderer eindimensionalen Erfindungen liegt…

    Dadurch, dass das Internet nicht lediglich eine Informationsplattform ist, sondern gleichzeitig und vor allem interaktiv ist, sich wie eine Matrix verändert, wächst, transformiert, ist es zum neuen technischen Organismus mutiert, der nur mit Macht und Gewalt – die es in dieser Form und dieser Dimension nicht geben kann und wird – manipuliert oder beschränkt werden kann.

    Es beginnt nicht nur ein neues Zeitalter, eine neue Ära – keine neue Welt – sondern eine Galaxie mit vielen kleineren Mikro Galaxien hat sich geöffnet. Was am Ende der Galaxie wachsen wird, hängt wesentlich davon auf, was heute und morgen gesät wird.

    Deshalb wird es Zeit, für die bestehenden Printmedien sich nach gutem Saatgut umzusehen und wenigstens noch auf dem letzten Waggon einen Stehplatz zu ergattern, Zeit für Parteien, Regierungen, und Machthaber sich auf das neue Zeitalter einzustellen, wo vielleicht gerade noch in Europa freie Wahlen über die Regierungszusammensetzung entscheiden, an anderen Orten auf der Welt sind es schon nicht mehr die überkommenen Strukturen sondern eine neue französische Revolution hat begonnen. Gauck hat in einem aktuellen Interview in der Januar Ausgabe von Cicero die Transparenz als losgelöstes Gut in Frage gestellt. Das kann und wird nicht mehr helfen, nichts mehr ändern, wenn der Selbstläufer „Intermediale Kommunikation“ den Berg hinunterrollt.

    Denn es sind nicht einzelne Bälle, es ist eine nicht endende Lawine, die erst still steht, wenn sie ihr Ziel erreicht hat. Das kann dann die Flucht eines Machthabers, die Neubildung einer Regierung oder auch alles andere sein, bei dem ein Konsens erreicht werden kann. Die Produkt(Farb)palette dieser Macht ist so bunt wie das Mischpanel eines Malers.

    Es gilt für alle Akteure – gleich ob Firmen, Politiker; Regierungen – ethisch einwandfreies, moralisch akzeptanzschaffendes Verhalten ist nun die Losung. Wer diese neuen Regeln nicht berücksichtigt, wird mit den Konsequenzen zu rechnen haben. Das zumindest beweist die Veröffentlichungsmaschine Wikileaks, dass Konsequenzen drohen, je nach Bedeutung – dass unser Misstrauen in bestimmte Geheimdienste und Geheimbünde berechtigt ist. Dass wir hinsehen und dass die Wahrheit ans Licht kommt… nur jetzt hat dies Konsequenzen – in Tunesien, in Ägypten, wo als nächstes? Wirklich nur in „outside Europe“ oder schon bald auch hier?

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